• Der Pátzcuarosee-Querzahnmolch

    Ambystoma dumerilii (Dugès, 1870)

  • Der Pátzcuarosee-Querzahnmolch

    Pátzcuarosee, im nordwestlichen Michoacan (Mexiko)

  • Der Pátzcuarosee-Querzahnmolch

    Basilika in Pátzcuaro

DER PÁTZCUAROSEE-QUERZAHNMOLCH

Betroffene Art: Ambystoma dumerilii (Dugès, 1870)
Ort: Pátzcuaro-See, Mexiko

Der Pátzcuaro-Querzahnmolch ist eine hoch bedrohte Salamander(Molch)art, die nur im Pátzcuarosee, in Mexiko vorkommt. Dieser Hochlandsee im Nordwesten Mexikos, in Michoacan in einer Seehöhe von 1920 Metern über dem Meeresspiegel. Generell treten Querzahnsalamander (Familie Ambystomatidae) in einem aquatilen Larvenstadium mit sichtbaren, äußeren Kiemen und einem terrestrischen, metamorphosierten Stadium in freilebenden Populationen auf. Der Pátzcuaro-Querzahnmolch ist eine der wenigen obligatorisch neotenischen Arten, die Zeit ihres Lebens im Wasser verweilen. Wahrscheinlich gibt es weltweit insgesamt nur drei von vier solche Arten. Neotenische Art befinden sich in einem dauerhaften Larvenstadium und sind als solche fortpflanzungsfähig. Bei Austrocknung oder in sonstigen bedrohlichen Lebensumständen kann diese Salamanderart nicht wie andere Arten metamorphosieren und das Land aufsuchen.

Der Pátzcuarosee-Querzahnmolch ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Er wurde der Natur für den menschlichen Verzehr und auch für medizinische Zwecke in hoher Zahl entnommen. Noch heute wird er zu Hustensaft verarbeitet. Aufgrund der Wasserverschmutzung und des Aussetzens von invasiven Fischarten ist die Zukunft dieser hochspezialisierten Art sehr ungewiss.

WISSENSWERTES ÜBER DEN PÁTZCUAROSEE-QUERZAHNMOLCH

  • Aussehen

    Diese hochspezialisierte Art kann eine Gesamtlänge von bis zu 35 cm erreichen. In der Literatur wird die maximale Länge oft mit 26 cm angegeben, jedoch überschreiten die Salamander in TURTLE ISLAND spielend 30 cm Gesamtlänge. Mit den stark verzweigten äußeren Kiemenbüscheln, dem seitlich abgeplatteten langen Schwanz und der stromlinienförmigen Körperform ist Ambystoma dumerilii dem Wasserleben perfekt angepasst. Der mächtige Kopf ist abgeflacht und weist diese Schwanzlurchart als effizienten Fischjäger aus. Die Grundfarbe der Salamander ist graubraun, sie kann aber auch etwas ins Rötliche gehen. Die Kiemenbüschel sind auffallend violett. Je nach Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt und Wasserchemie können die Kiemenbüschel unterschiedlich groß und unterschiedlich verzweigt ausdifferenziert sein. Die Fußsohlen von Wildtieren sind so wie die Zehenspitze schokoladebraun. Diese dunkelbraunen Farbelemente gingen nach vielen Generationen in der noch heute existierenden Zucht in der Basilika von Pátzcuaro bereits verloren. Die Oberseite des Kopfes und des Körpers sind mit Drüsen übersät, die ein milchiges Sekret absondern können. Dieses Sekret verleiht A. dumierilii einen bitteren Geschmack.

  • Fortpflanzung

    Die Eiablage erfolgt in den Wintermonaten, wenn die Wassertemperatur des Pátzcuarosees bis auf 9 °C abkühlen kann. Die bis zu 1.500 Eier werden in Wasserpflanzen oder auf Steinen abgelegt, bzw. angeklebt. Die Eier werden von den Elterntieren sofort nach dem Ablaichen ihrem Schicksal überlassen.

  • Nahrung

    Mit dem sehr breiten, abgeflachten Kopf ist der Pátzcuaro-Querzahnmolch in der Lage große, lebende Nahrung durch blitzschnelles Aufreißen des Maules einzusaugen. Die Salamander zeigen eine sehr kurze Reaktionszeit und können implosionsartig gesunde, lebende Fische in ihr Maul befördern. In freier Wildbahn dienen Zwergkrebse (Cambarellus patzcuarensis), die bei uns in einer meist orangen Farbvariante im Zoofachhandel angeboten werden, als Mithauptnahrung. Zusätzlich werden sehr gerne Insektenlarven und Würmer verzehrt. In Gefangenschaft erweist sich A. dumerilii als sehr gefräßig.  Hungrige Tiere schwimmen rastlos im Aquarium auf und ab und kommen bei Betreten des Raumes sofort an die Sichtscheibe. Dabei nehmen sie eine Bettelstellung ein und schwimmen oftmals an die Wasseroberfläche.

  • Gefährdung & Schutz

    Durch das äußerst begrenzte Vorkommen in einem einzigen mexikanischen Hochlandsee, der zudem nicht als Schutzgebiet ausgewiesen ist, zählt A. dumierillii zu den am stärksten vom Aussterben bedrohten Schwanzlurcharten. Der von dieser Art besiedelte Lebensraum im Pátzcuarosee umfasst weniger als 10 km². Der Pátzcuaro-Querzahnmolch wurde über Jahrzehnte von Fischern für Nahrungszwecke und die Herstellung von Medikamenten gegen respiratorische Krankheiten ausgebeutet. Es wird von Fangquoten von 19 Tonnen im Jahr 1987, 12,5 Tonnen 1988, 1,7 Tonnen 1989 und  „nur“ 2 Tonnen 1991 berichtet. Seit 1991 sind die Fangquoten nahezu nicht mehr erfassbar. Die von uns befragten Fischer haben in den letzten Jahren keinen einzigen Salamander mehr gefangen! Durch das Fehlen von modernen Kläranlagen in Patzcuaro, einer Stadt mit mehr als 50.000 Einwohnern, wird der See sehr stark durch Abwässer verschmutzt. Die zunehmende Eutrophierung ruft jährliche einw Algenblüte hervor. Zusätzlich wurden effektive Prädatoren, wie sich stark vermehrende, invasive Fischarten wie zum Beispiel Tilapia sp. in den See eingesetzt.

    Die IUCN (International Union for Conservation of Nature) führt Ambystoma dumerilii als “Critically Endangered”. Zusätzlich ist diese Art auf CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Flora and Fauna) in Anhang II und ist somit unter den Top 5 der vom Handel meist gefährdeten Schwanzlurcharten der Welt aufgelistet.

    Der Pátzcuaro-Querzahnmolch wird seit vielen Generationen in der Basilika in Pátzcuaro professionell von Nonnen in Aquakulturen gezüchtet. Die Tiere werden dann, wie auf einer großen Tafel in der Eingangshalle zu sehen ist, zu Hustensaft verarbeitet! Leider weist der Bestand nach vielen Generationen einige der Färbungsmerkmale ihrer Vorfahren, die vor ca. 12 Jahren aus dem See gefischt wurden, nicht mehr auf.

Wussten Sie ...

 

Amphibien

Nur 15 % der ausgefallensten und vom Aussterben bedrohten Amphibienarten erfahren Schutzmaßnahmen. Mit 41 % vom Aussterben gefährdeten Arten sind die Amphibien die am stärksten bedrohte Großgruppe an Wirbeltieren weltweit.

Schutzmaßnahmen

Die IUCN (International Union for Conservation of Nature) führt Ambystoma dumerilii als “Critically Endangered”. Zusätzlich ist diese Art auf CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of wild Flora and Fauna) in Anhang II und ist somit unter den Top 5 der vom Handel meist gefährdeten Schwanzlurcharten der Welt aufgelistet!

UNSER BEITRAG

In TURTLE ISLAND pflanzen sich die einzigen außerhalb Mexikos  lebenden Pátzcuaro-Querzahnmolche fort und können so zum Überleben der Art beitragen.

TURTLE ISLAND züchtet zurzeit zwei nicht miteinander verwandte Zuchtlinien und wird sehr bald Nachzuchttiere an befreundete Institutionen abgeben können. Mit dieser Erhaltungszucht hoffen wir, einen Beitrag zum Fortbestand dieser bemerkenswerten und einzigartigen Salamanderart leisten zu können. Ziel ist es, unseren „Genotyp“ so zahlreich wie nur möglich zu vermehren und nach Instandsetzung des Pátzcuarosees bei Bedarf für Wiederansiedlungsprojekte, in ihren natürlichen Lebensraum zurückbringen zu können.

Projektkoordinaten.

Pátzcuaro-See,
im nordwestlichen Michoacan
Mexiko

Weitere Projekte …

Photo: Maurice Rodrigues
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