• Die chinesische Rothalsschildkröte

    Mauremys nigricans Gray, 1834

Nachzuchtprojekt

Betroffene Art: Großköpfige Form der Chinesischen Rothalsschildkröte (Mauremys nigricans Gray, 1834)
Ort: Österreich, Deutschland, Türkei, USA

Über 50 % der in Asien lebenden Schildkrötenarten sind in den beiden höchsten Schutzstufen der IUCN „critically endangered“ und „endangered“  aufgelistet und somit akut vom Aussterben bedroht.

Da viele Arten speziell in China enorme Preise erzielen, sowohl als Statussymbol wie auch als Nahrung und Medizin (TCM), werden Wildtiere von der einkommensschwachen ländlichen Bevölkerung in ganz Asien systematisch abgesammelt. Dieser Vorgang ereignet sich vor unseren Augen in einem derart rasanten Tempo, dass bestimmte Arten, die vor wenigen Jahrzehnten noch zahlreich und weit verbreitet waren, schon seit Jahren nicht mehr in freier Wildbahn nachgewiesen werden können. Seit den 1980er Jahren gelangen jedes Jahr über 20.000 Tonnen aus der freien Wildbahn stammende Schildkröten auf die chinesischen Lebensmittel- und TCM-Märkte. Wenn man bedenkt, dass die meisten Schildkrötenarten etwa 1 kg wiegen, so sind dies über 20 Millionen Tiere, jährlich. So verwundert es wenig, dass die Populationen kollabieren.

Einigen dieser Arten wird große Aufmerksamkeit gewidmet, andere scheinen nahezu unbemerkt zu verschwinden oder sind bereits verschwunden.

TURTLE ISLAND möchte sich intensiv diesen eher stiefmütterlich behandelten Arten widmen. Eine dieser Arten ist die großköpfige Rothalsschildkröte. In internationaler Zusammenarbeit haben wir eine Zuchtgruppe der letzten großköpfigen Rothalsschildkröten in der westlichen Welt zusammengestellt. Durch die Mithilfe von zahlreichen Mitstreitern aus mehreren Ländern können wir nun gemeinsam auf Nachwuchs hoffen.

WISSENSWERTES ÜBER DIE ROTHALSSCHILDKRÖTE

Mauremys nigricans wurde bereits 1834 von Gray beschrieben. Als ursprünglich eher häufige Schildkrötenart wurde sie bis vor wenigen Jahren auch in der westlichen Welt vergleichsweise preiswert im Tierhandel angeboten. Die Weibchen erscheinen einheitlich dunkelgrau bis schwarz, die Männchen zeigen oft eine intensive Rotfärbung am Kopf und an den Weichteilen. Bei Störung kann M. nigricans zur Verteidigung einen sehr unangenehmen Moschusgeruch absondern.

Das Vorkommen der chinesischen Rothalsschildkröte beschränkt sich sehr wahrscheinlich nur auf die zwei südlichen chinesischen Provinzen, Guangxi und Guangdong, und womöglich noch auf die Insel Hainan und Nordvietnam, von wo ein prähistorischer Schädelfund existiert. Der außerordentliche Appetit auf Schildkröten in China hat die natürlichen Bestände soweit dezimiert, dass verbürgte Freilandsichtungen auf die 1930er-Jahre zurückgehen! Da Schildkröten in China seit Jahrtausenden gehandelt und durch das gesamte Land transportiert wurden, lassen sich heute kaum mehr innerartliche Verwandtschaftsuntersuchungen durchführen, für die gesicherte natürliche Herkunftsdaten die Basis darstellen. Morphologische Unterschiede innerhalb der Art wurden bereits von mehreren Autoren beschrieben. Global betrachtet lassen sich zwei „Formen“ auseinanderhalten, welche sich in Größe, Form, aber auch in der Anzahl und Größe der gelegten Eier deutlich unterscheiden. Taxonomische Studien, die diese Beobachtung verifizieren, wurden bis heute leider noch nicht durchgeführt.

In China wird zwischen zwei Formen unterschieden:

  • eine wesentlich kleinere Form (ca. 15-20cm Panzerlänge) aus Guangdong, die wenige große Eier legt und
  • eine größere Form (25-30cm Panzerlänge) aus West-Guangxi und möglicherweise Nordvietnam, welche zu Megacephalie (Großköpfigkeit) neigt und viele kleine Eier produziert.

Die großköpfige Form erweist sich in menschlicher Obhut als innerartlich signifikant aggressiver als ihre kleineren Verwandten und muss einzeln gehalten werden. Diese großköpfige Form wird wenig charmant auch als „dumbhead“ (Dummkopf) bezeichnet. Die Vermutung, dass die Schädelgröße durch eine lokal unterschiedliche Nahrungsspezialisierung hervorgerufen wird oder dass es sich um eine Alterserscheinung handeln könnte wird nicht ganz unterstützt: Uns sind Jungtiere bekannt, die bereits einen großen Schädel aufweisen, aber unter gleichen Bedingungen wie kleinköpfige Exemplare großgezogen wurden. Auch sehr alte kleinköpfige Tiere sind uns bekannt. Somit scheint weder die Ernährung noch ein hohes Alter der ausschlaggebende Faktor der Großköpfigkeit zu sein. In menschlicher Obhut wird überwiegender die kleine Variante gepflegt, die Großform ist nahezu aus allen Beständen verschwunden. Da in China für spezielle Schildkrötenarten nahezu astronomische Preise bezahlt werden und diese Tiere als Geldanlage und Statussymbol betrachtet werden, wird mit einigen Arten wie am Aktienmarkt spekuliert. Im letzten Jahr wurde so der Preis für die chinesische Rothalsschildkröte in ungeahnte Höhen getrieben speziell für die großköpfige Form; die Nachfrage stieg rasant.

PROJEKT-INFOS

Bei unseren Recherchen haben wir nur noch ein Männchen und drei Weibchen der einst so zahlreichen „dumbheads“ in Europa finden können. In den USA scheint diese Form vollkommen von der Bildfläche verschwunden zu sein. Auch in China, wo Rothalsschildkröten zwar noch immer in ansehnlicher Stückzahl in Farmen existieren, sind großköpfige Exemplare mittlerweile extrem selten.

Das einzige in westlicher Obhut befindliche Männchen stammt aus der Privatsammlung von Waltraud und Ingo Pauler und wurde seit fast 40 Jahren liebevoll als „Markus“ bezeichnet. Da Markus das Herzstück dieses Projektes ist und Waltraud und Ingo Pauler uns nach interner Besprechung ihren langjährigen Pflegling für unseren Zuchtversuch eingestellt haben, möchten wir unserem lieben – erst kürzlich verstorbenen – Freund Ingo und seiner Frau Waltraud dieses Projekt widmen.

Eines der Weibchen wurde uns von befreundeten Kollegen großzügigerweise ebenfalls als Zuchtleihgabe zur Verfügung gestellt. Den drohenden Verlust eines Weibchens nach China konnten wir mit einem Freikauf verhindern. Zusammen mit einem Spendenaufruf der Firma „Sundance Biology“ unter den mitarbeitenden Biologen am „Rice Solar Project“ in der Mojave-Wüste, konnte genügend Geld für den Ankauf gesammelt werden. Wir möchten hier alle Personen anführen, die sich an der Zusammenführung der Zuchtgruppe beteiligt haben und zwar in chronologischer Reihenfolge, nicht nach dem Ausmaß der Beteiligung:

Ingo und Waltraud Pauler (Deutschland)
Elmar Meier (Deutschland)
Till Ipser (Österreich)
Peter Valentin (Österreich)
Gerhard Egretzberger (Österreich)
Michael Reimann (Türkei)
Sundance Biology, Mercy Vaughn (USA)
Tracy Taylor (USA)
Colden McClurg (USA)
Cynthia Furman (USA)
Shannon DiRuzzo (USA)
Mike Bassett (USA)
Thad Stewart (USA)
Deanna Sanderson (USA)
Kristine Foley (USA)
Brendan O’Brien (USA)
Leif Mjos (USA)
Alex Mach (USA)
Tom Bartels (USA)
Tony Dee (USA)
Sarah Clinger (USA)
Tim Hockin (USA)
Nathan Jones (USA)

WIR BEDANKEN UNS BEI ALLEN HELFERN SEHR HERZLICH!

Über den weiteren Verlauf des Zuchtprojektes werden wir laufend berichten …

Wussten Sie ...

Dinge, die Sie zu diesem Projekt wissen sollten:

Chin. Rothalsschildkröte

Der außerordentliche Appetit auf Schildkröten in China hat die natürlichen Bestände soweit dezimiert, dass verbürgte Freilandsichtungen auf die 1930er-Jahre zurückgehen!

Schutzmaßnahmen

Über 50 % der in Asien lebenden Schildkrötenarten sind in den beiden höchsten Schutzstufen der IUCN „critically endangered“ und „endangered“  aufgelistet und somit akut vom Aussterben bedroht.

In internationaler Zusammenarbeit haben wir eine Zuchtgruppe der letzten großköpfigen Rothalsschildkröten in der westlichen Welt zusammengestellt. Durch die Mithilfe von zahlreichen Mitstreitern aus mehreren Ländern können wir nun gemeinsam auf Nachwuchs hoffen.

UNSER BEITRAG

In internationaler Zusammenarbeit haben wir eine Zuchtgruppe der letzten großköpfigen Rothalsschildkröten in der westlichen Welt zusammengestellt. Durch die Mithilfe von zahlreichen Mitstreitern aus mehreren Ländern können wir nun gemeinsam auf Nachwuchs hoffen.

Projektkoordinaten.

eigentlich weltweit, vorwiegend Österreich, Deutschland, USA, …

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