• Die nördliche Batagur‐Flussschildkröte

    Batagur baska (Gray, 1830)

  • Die nördliche Batagur‐Flussschildkröte

    der Nachwuchs …

  • Die nördliche Batagur‐Flussschildkröte

    schöner Ausblick …

BATAGUR BASKA – EINE FLUSSSCHILDKRÖTE KÄMPFT UMS ÜBERLEBEN

Betroffene Art: Batagur baska (Gray, 1830)
Ort: Nordostindien, Bangladesch und Myanmar

Die Batagur-Schildkröte ist eine, bis zu 60 cm Panzerlänge erreichende, Flussschildkröte der Flussmündungsgebiete und  Mangroven in Nordostindien, Bangladesch und Myanmar. Noch zur Jahrhundertwende säumten unzählige Exemplare die Ufer entlang des Hugli River, einiger Flüsse in  Orissa oder auch im Mündungsgebiet des Irrawaddy, jedoch brachte sie ein konsequentes Überfischen und Absammeln der Eier an den Rand zur Ausrottung.

Die nördliche Batagur‐Flussschildkröte zählt heute zu den drei seltensten Schildkrötenarten der Welt. Weltweit gibt es heute nur noch wenige Adulttiere und vermutlich nicht mehr als 13 fortpflanzungsfähige Weibchen.

WISSENSWERTES ÜBER DIE BATAGUR BASKA

Bis vor kurzem wurde Batagur als monotypische Gattung aufgefasst. Genetische Untersuchungen über die Taxonomie dieser Art zeigten klare Unterschiede auf Artniveau zwischen den nördlichen und südlichen Populationen auf. Schon vor diesem Aufspalten wurde B. baska von der IUCN (International Union for Conservation of Nature) als „critically endangered“ in den roten Listen aufgeführt und unter die 25 meist bedrohten Schildkrötenarten der Erde eingestuft. Durch die genetische Differenzierung geriet Batagur baska (sensu stricto) ins Rampenlicht sämtlicher Artenschutzorganisationen.

PROJEKT-INFOS

In Indien und Bangladesch wurde in den 90er Jahren keine wildlebende B. baska mehr gesichtet und Freilanduntersuchungen blieben erfolglos. Wir suchten in Orissa und Westbengalen nach vorhandenen Populationen und weiteten die Suche später auf Mangrovenbereiche in Bangladesch aus. Informationen von Fischern über mögliche letzte Rückzugsgebiete erwiesen sich als falsch. Nach fast dreijähriger Feldarbeit und Recherche im illegalen Schildkrötenhandel fanden wir im Herbst 2009 die ersten drei Batagur-Schildkröten in einem Dorfteich im Süden von Bangladesch. Als harmlose Pflanzenfresser werden diese Schildkröten als Glücksbringer für die Fischzucht in Teiche eingesetzt. Nebenbei bereichern sie dann nach Bedarf den Speiseplan ihrer Besitzer. Die Eier gelten als besondere Delikatesse und werden sofort nach dem Ablegen abgesammelt und verzehrt. Diese ersten Individuen wurden den Besitzern abgekauft und in ein Schutzzentrum im Bhawal Nationalpark gebracht, das von der Forstverwaltung von Bangladesch unterstützt wird. Somit war das Projekt „Batagur“ geboren!

  • Internationale Beteiligung

    Nach Vereinbarungen mit der Forstverwaltung (Forest Department Bangladesh), finanzieller Unterstützung von Naturschutzorganisationen (WWF Canada, Turtle Survival Alliance, IUCN Bangladesh) und maßgeblicher Hilfestellung des Tiergartens Schönbrunn wurden in den folgenden Jahren zum Schutz der Tiere Flächen eingezäunt und zwei Teiche mit Sandbänken ausgestattet um Bedingungen für die Zucht zu schaffen.

  • Kooperation mit Tiergarten Schönbrunn

    Parallel wurden im Frühjahr 2010 zwei adulte Pärchen und ein weiteres Weibchen aus der privaten Sammlung von R. und P. Praschag im Tiergarten Schönbrunn eingestellt. Im Mai 2010 schlüpften zwei Jungtiere ‐ die weltweit erste Nachzucht der nördlichen Batagur‐Flussschildkröte. Die kontrollierte Nachzucht in menschlicher Obhut ist als Sofortmaßnahme für das Überleben dieser Art erforderlich und das nationale und selbst internationale Medienecho über die Nachzucht im Tiergarten Schönbrunn übertraf alle Erwartungen. Die große Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit ermöglichte es dem Tiergarten, sich an langfristigen Schutzaktionen maßgeblich zu beteiligen und Schutzbemühungen inner- und außerhalb von Bangladesch durch logistische, fachliche und finanzielle Hilfe voranzubringen.

    Nach der Gründung von TURTLE ISLAND gingen ein Männchen und zwei Weibchen aus Schönbrunn wieder retour nach Graz.

Im Bhawal Nationalpark leben mittlerweile 13 männliche ‐ und sechs weibliche Individuen von Batagur baska und im Frühjahr 2012 und 2013 wurden insgesamt 84 Jungtiere geboren und aufgezogen. Dennoch müssen etliche weitere Schritte unternommen werden, bevor das Projekt „Batagur going home“ begonnen werden kann.

Nahezu alle Erkenntnisse über „B. baska“ (sensu lato) beziehen sich auf die südliche Schwesternart B. affinis. Über die Biologie und Ökologie der nördlichen Art ist so gut wie nichts bekannt. Im letzten Jahr gingen drei wildlebende Jungtiere lokalen Fischern in ihre Netze, folglich existieren noch sich fortpflanzende Wildtiere. In der kommenden Saison werden wir uns auf das Auffinden dieser letzten Niststrände konzentrieren, um die Nester schützen zu können.

Zum einen ist es von großer Bedeutung, einige wenige wildlebende Exemplare zu besendern, um Habitate ausfindig zu machen, die eine Auswilderung erlauben und zum anderen die Reproduktionsbiologie näher zu beleuchten. Das bevorzugte Herangehen wäre eine Kombination aus in situ Schutzmaßnahmen und Schutz von Freiland‐Habitatbereichen. Zum anderen gibt es wichtige unmittelbare Maßnahmen, welche die langfristige Zucht gewährleisten: die Errichtung einer zweiten Zuchtanlage im Süden von Bangladesh, in den Sundarbans, inmitten des früheren und vielleicht noch heutigen Verbreitungsgebiets der Flussschildkröte und die Erstellung eines Zuchtbuches basierend auf den genetischen Daten aller verfügbaren Individuen, um die Tiere nach ihrem Verwandtschaftsgrad kontrolliert verpaaren zu können. Für letzteres wurden im Dezember 2013 genetische Proben von allen Tieren genommen, die demnächst ausgewertet werden. Auch wurde die Umgestaltung für separate Eiablageplätze in der Anlage in Bhawal in die Wege geleitet. Für die geplante zweite Zuchtanlage, die von großer Bedeutung sowohl für die künftige Auswilderung ist und ebenso als Sicherheits‐Backup fungieren soll, fehlen noch grundlegende finanzielle Mittel.

Wussten Sie ...

Dinge, die Sie zu diesem Projekt wissen sollten:

Batagur Flussschildkröte

Die nördliche Batagur‐Flussschildkröte zählt heute zu den drei seltensten Schildkrötenarten der Welt. Weltweit gibt es heute nur noch wenige Adulttiere und vermutlich nicht mehr als 13 fortpflanzungsfähige Weibchen.

Schutzmaßnahmen

IUCN (International Union for Conservation of Nature) hat die Batagur Baska als „critically endangered“ in den roten Listen aufgeführt und unter die 25 meist bedrohten Schildkrötenarten der Erde eingestuft.

Im Frühjahr 2010 zwei adulte Pärchen und ein weiteres Weibchen aus der privaten Sammlung von R. und P. Praschag im Tiergarten Schönbrunn eingestellt. Im Mai 2010 schlüpften zwei Jungtiere ‐ die weltweit erste Nachzucht der nördlichen Batagur‐Flussschildkröte.

UNSER BEITRAG

In einem Gemeinschaftsprojekt ist in TURTLE ISLAND und im Zoo Schönbrunn die einzige Zuchtgruppe außerhalb des Verbreitungsgebietes untergebracht. Diese Zuchtgruppe stellt 20 % der bekannten Gründungsexemplare dar und kann für das Langzeitüberleben dieser so besonderen Art  eine sehr wichtige Rolle spielen.

Projektkoordinaten.

Bhawal Nationalpark,
Bangladesch

Projektpartner.

Danke an unsere Partner bei diesem Projekt. Ohne ihre Mithilfe wäre das alles nicht möglich …

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Photo: Maurice Rodrigues
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